Wir müssen reden!
Aktuelles, Politische Arbeit
Mario Müller braucht allen Mut, um seine Geschichte zu erzählen. Denn sein Publikum war ihm alles andere als vertraut. Die Landtagsabgeordneten Ulrike Liedtke und Kathrin Lange waren dabei. Und auch die Ostprignitzer Jugendamtsleiterin Kristina Borrock sowie der Vorstand des Paritätischen Landesverbandes. Eine ganze Gruppe war gekommen, um seine Geschichte anzuhören.
Als Marios Bruder starb, griff er zur Flasche. Der damalige Jura-Student wurde abhängig und rutschte ab. “Ich habe einige Zeit auf der Straße gelebt”, erzählt er. Heute hat Mario in der Therapeutischen Gemeinschaft Griebsee ein neues Zuhause gefunden. Er wird engmaschig betreut auf seinem Weg, trocken zu bleiben und sich ein neues Leben aufzubauen.
Die Geschichte erzählte Mario im Rahmen der Paritätischen Sommertouren. Im Frühherbst hat der Verband Politik und Verwaltung dazu eingeladen, mit sozialen Trägern und Hilfsbedürftigen ins Gespräch zu kommen. Sich die Geschichten der Menschen anzuhören, die oft traumatische Erfahrungen gemacht und Schicksalsschläge erlitten haben. Politikerinnen und Verwaltungsmitarbeiter besuchten Einrichtungen in Brandenburg an der Havel, Potsdam, Frankfurt/Oder und Griebsee in der Prignitz. Sie machten sich vor Ort ein Bild, was Hilfsorganisationen leisten und an welchen Stellen Sozialpolitik konkret wirkt.
Reformen statt Sparvorschläge!
Die Aktion hat der Paritätische Brandenburg als Reaktion auf die aktuelle Sozialstaatsdebatte in diesem Jahr initiiert. “Wir befinden uns in einer Zeit, in der die soziale Infrastruktur unseres Landes unter erheblichem Druck steht. Was dabei oft zu wenig bedacht wird: Die langfristigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schäden durch den Abbau sozialer Leistungen sind immens”, so Vorständin Diana Robel. “Menschen, die keine Unterstützung erhalten, tragen größere Belastungen – und diese Belastungen landen letztlich wieder bei der öffentlichen Hand mit wesentlich erhöhtem Finanzierungsaufwand. Der volkswirtschaftliche Schaden für zukünftige Generationen ist unabwendbar.”
Es geht darum, wirkliche Reformen zu entwickeln und die Bedürfnisse der Menschen mitzudenken, statt reine Einsparungen durchzusetzen. Auch die Landespolitik habe bei den aktuellen bundespolitischen Vorhaben Bedenken, sagt Landtagsabgeordnete Lange im Rahmen der Gespräche. Statt Reformen stünden im Bund aktuell reine Sparvorschläge im Raum. Man werde sehr genau schauen, welche Ansätze man mittrage, so die Politikerin.
Hintergrund: Die Paritätische Sommertour 2026
Im September 2026 starteten wir unsere Paritätische Sommertour: Wir besuchten vier Einrichtungen unserer Mitgliedsorganisationen – vor Ort, in den Regionen, nah an den Menschen. Die Sommertour richtete sich insbesondere auf die Themen Jugendhilfe und Eingliederungshilfe, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht.
Ziel der Sommertour war es, Sozialdezernentinnen und Sozialdezernenten, Landräte, kommunale Entscheidungsträger und landespolitische Akteure direkt mit der Realität sozialer Arbeit in Kontakt zu bringen. Wir wollen Solidarisierung schaffen, Bündnispartner gewinnen und zeigen: Was auf dem Papier eingespart wird, hat konkrete Konsequenzen für Menschen in Brandenburg!
Herzlichen Dank an unsere Mitgliedsorganisationen, die in ihre Einrichtung eingeladen haben!
- Lebenshilfe Brandenburg an der Havel
- SOS-Kinderdorf Lausitz
- Lebenshilfe Frankfurt
- Therapeutische Gemeinschaft Griebsee GmbH
Ansprechperson
Vorstand des Paritätischen Brandenburg
Landesgeschäftsstelle
Tornowstraße 48
14473 Potsdam