Der Paritätische Jahresbericht 2022/2023

Aktuelles, Landesverband, Fachpublikation, Jahresbericht

Wir alle erleben täglich, wie vermeintliche Sicherheiten erodieren. Statt „nie wieder Krieg“ ist der Krieg zurück in Europa; statt „nie wieder Hass und Hetze gegen jüdische Mitbürger“ bricht erneut Antisemitismus mitten in unserer Gesellschaft auf; statt „nie wieder Faschismus“ fährt eine rechtsradikale Partei einen Wahlerfolg nach dem anderen ein. Was ist da los - mit uns, mit der Welt?

Kriege, Flucht und Verfolgung oder der immer spürbarere Klimawandel verursachen unsägliches Leid und wir sehen es täglich im Fernsehen oder auf unseren Smartphones. Die Wucht der Bilder und Nachrichten überfordert, stumpft vielleicht sogar ab. Gleichzeitig steigt die persönliche Belastung
in Beruf und Familie. Der Fachkräftemangel schlägt massiv zu, die Zahl psychischer Erkrankungen, nicht zuletzt bei Kindern und Jugendlichen, steigt. Hier hat Corona tiefe Spuren hinterlassen. Überforderung also, wo man hinschaut. Was ist zu tun?

Das Wort „Krise“ setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen - das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit. Es gibt also zwei gegensätzliche Wege, eine Krise zu deuten, auf eine Krise zu reagieren: Wenn wir nur die Gefahr wahrnehmen, werden wir uns instinktiv schützen, verkapseln, möglicherweise um uns schlagen, um unser bisheriges Leben, unsere Gewissheiten und Gewohnheiten zu verteidigen. Wenn wir aber in der Krise die Gelegenheit erkennen, können wir den Blick wenden, unsere Arme öffnen, eigene Grenzen überschreiten und Neues ausprobieren.
Es ist also entscheidend, wie Menschen die Welt wahrnehmen, wie sie erkennen, welche persönlichen Ressourcen sie haben und diese auch nutzen, um sich einer Krise zu stellen. Vielleicht ist das der wichtigste Beitrag, den wir als Verband, als Träger, als Sozialarbeitende, Pflegende oder Erziehende leisten können: Menschen zu beraten, zu pflegen und zu betreuen, damit ihre Last für sie tragbar wird. Menschen zuzuhören, damit sie sich aus ihrer inneren Verklammerung lösen können. Menschen Mut zu machen und sie zu stärken, damit sie sich ihrer eigenen Kraft bewusst werden.
Dafür müssen wir selbst stark sein, uns stark machen.
Der Paritätische ist eine starke Gemeinschaft, die auf Solidarität, Toleranz, Freiheit und Gleichheit beruht. An diesen Grundwerten können wir uns auch in der Krise orientieren. Diesen Werten Geltung zu verschaffen, besonders im vor uns liegenden Wahljahr, ist von entscheidender Bedeutung!
Fassen wir gemeinsam die Gelegenheit beim Schopf!

Elona Müller-Preinesberger und Andreas Kaczynski