Tag der Wohnungslosen

Pressemitteilung, LIGA/Kooperationspartner, Armut

Aufgrund Krisen und Wirtschaftsansiedlungen gibt es immer mehr Wohnungslose. Landesarmutskonferenz und LIGA Brandenburg fordern bezahlbaren Wohnraum.

Energiekrise, gestiegene Bau- und Zinskosten, Inflation, wachsender Zuzug oder auch die Ansiedlung multinationaler Unternehmen – die Effekte davon sind in einigen Regionen Brandenburgs unter anderem steigende Mieten und wachsende Wohnungslosigkeit. Zum Stichtag 31.01.2024 wies die Bundes-Statistik 4.095 untergebrachte wohnungslose Personen für Brandenburg aus. Ein Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 3.290 Personen, die Anzahl verdeckter Wohnungslosigkeit dürfte jedoch deutlich höher liegen. "Wohnungslosigkeit ist nicht immer sichtbar. Wer bei Freunden oder Verwandten von Couch zu Couch wandert, wird in keiner Statistik erfasst“, sagt Andreas Kaczynski, Vorsitzender der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege – Spitzenverbände im Land Brandenburg. „Eine künftige Landesregierung in Brandenburg muss sich viel stärker als bisher mit der wachsenden Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit beschäftigen. Auch in vielen Teilen Brandenburgs wird Wohnen immer teurer. Es gilt jetzt zu handeln, beispielsweise sozialen Wohnungsbau anzukurbeln, um auch morgen noch bezahlbaren Wohnraum vorhalten zu können. Verhältnisse wie in Berlin wünscht sich niemand in Brandenburg!"

Für von Armut betroffene und besonders bedrohte Gruppen, wie Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende oder Rentner und Rentnerinnen sind soziale Beratungsstellen unverzichtbare Anlaufstellen, um beispielsweise eine drohende Überschuldung und den Verlust der Wohnung abzuwenden.

Finanzierung sichern

„Es sind vermehrt junge Menschen und Familien mit Kindern, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Wir fordern ein Verbot für Stromsperren! Um aus schwierigen Lebenslagen herauszukommen helfen Angebote, wie Allgemeine Sozialberatungsstellen, Begegnungshäuser oder auch Kiez-Kitas. Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen für Menschen in finanzieller Notlage gehören sogar zur sozialen Daseinsvorsorge. Doch müssen diese Einrichtungen für alle in Brandenburg gut erreichbar und auskömmlich finanziert sein“, sagt Angela Schweers, Sprecherin der Landesarmutskonferenz Brandenburg. „Ist die Wohnung erstmal gekündigt, wird es schwer, Wohnungslosen wieder ein Zuhause zu geben. Kein Mensch darf seine Wohnung verlieren, es darf gar nicht erst soweit kommen. Dafür muss ein Staat sorgen!“

Die Stadt Fürstenwalde und der gesamte östliche Bereich entlang der Bahnlinie RE 1 erleben durch das Autowerk des Unternehmens Tesla einen nie dagewesenen Wohnungsbedarf. Die sozialen Beratungsstellen in Fürstenwalde und Umgebung erleben die neue Problemlage besonders intensiv.

„Die Situation in Fürstenwalde und der Region hat sich drastisch verschärft. Noch vor der Pandemie hatten wir etwa einmal pro Monat eine Obdachlosenprävention“, erklärt Thomas Thieme vom Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V.. „Mittlerweile unterstützen wir bis zu zehnmal pro Woche Menschen dabei, die Zwangsräumung ihrer Wohnung zu verhindern.“

Landesauftrag: Bezahlbaren Wohnraum schaffen

Die Bekämpfung von Wohnungslosigkeit ist für das Land Brandenburg keine freiwillige Aufgabe. Das im UN-Sozialpakt und der Europäischen Sozialcharta verbriefte Recht auf Wohnraum für EU-Bürgerinnen und -Bürger in Verbindung mit dem im Grundgesetz verankerten Sozialstaatsprinzip verpflichtet die Bundesrepublik Deutschland zum Handeln. Für die Brandenburger Landesregierung ist es somit ein sozialstaatlicher Pflichtauftrag für ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum aller Brandenburgerinnen und Brandenburger zu sorgen. Um eine weitere Verschärfung der Situation zu vermeiden sind folgende dringende erste Schritte notwendig:

  • Flächendeckende Allgemeine Sozialberatung: Erforderlich ist ein landesweiter Ausbau von Allgemeinen Sozialberatungsstellen als Erstanlaufmöglichkeit bei finanziellen und sozialen Problemen, beispielsweise bei der Beantragung staatlicher Leistungen, im Umgang mit Behörden oder bei Problemen mit drohendem Wohnraumverlust.
  • Sozialer Wohnungsbau: Die Haushaltsmittel für den Sozialen Wohnungsbau in Brandenburg müssen den gestiegenen Bedarfen gemäß aufgestockt werden.
  • Landesstrategie Wohnen und Wohnungslosigkeit: Es ist dringend erforderlich, eine ressortübergreifende landesweite Strategie zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit auf Landes- und Kommunalebene zu entwickeln und konsequent umzusetzen.
  • Angebote der Wohnungsnotfallhilfe schaffen und ausbauen: Es ist notwendig, in allen Landkreisen, mindesten in so genannten „Hotspots“, Fachstellen zur Verhinderung von Wohnungsverlusten und Vermittlung an Unterstützungsangebote bei bestehender oder eintretender Wohnungslosigkeit zu errichten. Es sollten landesweite Standards zur ordnungsbehördlichen Unterbringung vereinheitlicht werden und in diesem Prozess Mindestanforderungen für eine menschenwürdige Unterbringung definiert werden. Zudem gilt es auch, landeseinheitliche Standards für Angebote wohnunterstützender Hilfen nach §§ 67 ff. SGB XII zu definieren und zu etablieren.

Eine Position der LIGA zum Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit finden Sie hier.

Wenn Menschen in schwierigen Lebenslagen nicht mehr weiterwissen, leisten soziale Beratungsangebote wertvolle Hilfe. Die Einrichtungen der sozialen Arbeit der Freien Wohlfahrtspflege in Brandenburg bieten seit vielen Jahren ein festes Netz der sozialen Hilfen in Brandenburg. Informieren sie sich hier:

 

Ansprechperson:

Oliver Bendzko
Referent LIGA Brandenburg
Tel. 0176-324 990 97
info@liga-brandenburg.de