Paritätischer Armutsbericht: 376.000 Menschen in Brandenburg von Armut betroffen
Pressemitteilung, Landesverband
Während die Armutsquote in ganz Deutschland zuletzt erneut gestiegen ist, ging sie in Brandenburg leicht auf 14,7 Prozent zurück. Dabei triftet Deutschland weiter auseinander: Der Abstand zwischen dem Bundesland mit der niedrigsten und der höchsten Armutsquote wächst – von 14,1 Prozentpunkten im Jahr 2024 auf inzwischen 14,9 Prozentpunkte. Die steigende Differenz zeigt sich deutlich mit Blick auf Berlin. Die Hauptstadt weist laut Armutsbericht 2026 die vierthöchste Armutsquote aller Bundesländer auf.
„Die zunehmende Ungleichheit bedroht unseren sozialen Zusammenhalt. Insbesondere für ältere Menschen, Alleinerziehende und Haushalte mit Kindern wird es schwerer, über die Runden zu kommen. Auch in Städten wie Frankfurt/Oder, Cottbus oder Brandenburg/Havel liegt die Armut deutlich höher als in den meisten ländlichen Regionen Brandenburgs“, so Diana Robel, Vorständin des Paritätischen Landesverbandes und Sprecherin der Landesarmutskonferenz Brandenburg. „Was wir brauchen, ist eine umsichtige Sozialpolitik und Solidarität mit hilfsbedürftigen Menschen, um jeden teilhaben zu lassen und unsere Demokratie zu stärken“, fordert Robel.
Mit einer bundesweiten Armutsquote von 19,5 Prozent ist inzwischen fast jede fünfte Person ab 65 Jahren betroffen. Bei Frauen über 75 Jahren sind es sogar 21,3 Prozent Betroffene. Alleinlebende tragen mit 30,3 Prozent ein besonders hohes Armutsrisiko, Alleinerziehende mit 28,9 Prozent.
Sozialabbau stoppen
Währenddessen diskutieren Bund und Länder weiter über Sozialkürzungen. Aktuell drohen weitere Einschnitte beim Wohngeld, beim Unterhaltsvorschuss, in der Kinder- und Jugendhilfe, in der Eingliederungshilfe, bei Rente und Krankenversicherung. „Die Umsetzung der aktuellen Kürzungsvorschläge sozialer Leistungen würden dazu führen, dass sich die gesellschaftliche Lage weiter verschärft. Jetzt gilt es, die Auswirkungen deutlich zu machen und zu zeigen: Um eine starke und demokratische Gesellschaft aufrechtzuerhalten, brauchen wir einen stabilen Sozialstaat“, so Robel.
Seit vielen Jahren ist die Armut in Brandenburg im bundesweiten Vergleich relativ gering. Die Nähe zu Berlin, in dessen Umfeld sich nach der Wende Unternehmen, Verwaltung und Wissenschaft angesiedelt haben, ist ein Faktor dafür. Die Arbeitslosigkeit in Brandenburg ist vergleichsweise niedrig, die Erwerbsquote der Frauen hoch. Zudem verzeichnet das ländlich geprägte Berliner Umland Zuzug jüngerer Erwerbstätiger und Familien.
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