Gewalt gegen Frauen und Femizide

Landesverband, Pressemitteilung, LIGA/Kooperationspartner

Eine gemeinsame Presseerklärung des Paritätischen Brandenburg, der Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg, dem Frauenhaus Neuruppin und der Opferhilfe Land Brandenburg e.V.

v.l.n.r. Pascal Hübscher (BZfG), Antje Baumgart, Lydia Sandrock (Opferhilfe LV Brandenburg e.V), Michaela Rönnefahrt (Neuruppiner Frauen für Frauen e.V.) und Nora Wenger (BZfG)
v.l.n.r. Pascal Hübscher (BZfG), Antje Baumgart, Lydia Sandrock (Opferhilfe LV Brandenburg e.V), Michaela Rönnefahrt (Neuruppiner Frauen für Frauen e.V.) und Nora Wenger (BZfG)

Am heutigen Frauentag machen wir auf ein immer noch aktuelles Thema aufmerksam: Gewalt gegen Frauen und Femizide.

Am Internationalen Frauentag ist es besonders wichtig, dieses Thema aufzugreifen, denn als Arbeitskreis, der sich gegen Gewalt an Frauen einsetzt, sind wir besonders betroffen über den neuen Femizid, der sich vor kurzem in unserem Landkreis Ostprignitz-Ruppin ereignet hat. Leider handelt es sich hierbei nicht um einen Einzelfall.
An diesem besonderen Tag möchten wir auf die Möglichkeiten hinweisen, die Fachleuten und der Zivilbevölkerung zur Verfügung stehen, um Frauen in Not und in Situationen von Gewalt, sei es physischer oder psychischer Art, zu helfen.

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland laut den Zahlen des Bundeskriminalamts (PKS) 139 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Diese Fälle ereignen sich oft nicht nach einem einmaligen Streit, sondern sind das Ergebnis jahrelanger Gewalt, die der Mann gegenüber seiner Partnerin oder Ex-Partnerin ausgeübt hat. Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten – jeden zweiten bis dritten Tag gelingt der Mord. Das ist das Hellfeld. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher.
Häusliche Gewalt, dazugehörend auch Femizide, begründen sich hauptsächlich durch patriarchale Strukturen. Männer üben Kontrolle über Frauen aus, das geht so weit, dass diese keine Entscheidungen mehr alleine treffen dürfen, vor allem nicht die Entscheidung, sich zu trennen.
Das gesamte Umfeld, seien es Lehrkräfte oder Erzieher*innen, die mit betroffenen Kindern in Kontakt kommen, Nachbar*innen, die Schreie hören oder Arbeitskolleg*innen, die betroffenen Frauen begegnen, können dazu beitragen, die Zahl der Frauenmorde zu senken, Schauen Sie nicht weg – Sie können Leben retten!

Bei einem akuten Vorfall die Polizei rufen! Es gibt auch in ihrer Nähe professionelle Hilfsangebote sowohl für Gewaltbetroffene, für alle, die eine gewaltbetroffene Frau unterstützen wollen, so wie für Gewaltausübende, die lernen wollen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Die Zivilgesellschaft darf nicht wegschauen. Jede und jeder Einzelne kann helfen, häusliche Gewalt zu bekämpfen. Es gibt Warnsignale und Möglichkeiten, um solche Taten zu verhindern.

Der wirksamste Weg, um Frauenmorde zu bekämpfen, ist die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Stellen. Hier im Landkreis Ostprignitz-Ruppin haben wir die notwendigen Strukturen vor Ort. Wir arbeiten eng mit den Jugendämtern, der Polizei, den Opferberatungsstellen, den Frauenhäusern, den Gleichstellungsbeauftragten, dem Paritätischen und der Fachstelle für Gewaltprävention (sogenannte "Täter*innenarbeit") zusammen.
Es gibt zahlreiche Hilfsangebote, die sowohl Gewaltopfer, deren Angehörige oder auch die gewaltausübenden Personen beraten. Die Anlaufstellen sind niedrigschwellig, beraten anonym und kostenlos. Je früher man eingreift, desto effektiver ist die Intervention.

Die Opferhilfe Land Brandenburg e.V. bietet in ihrer Zweigstelle in Neuruppin kostenlose psychologische und psychosoziale Beratung für Gewaltopfer, sowie für alle unterstützenden Personen – Freundeskreis, Nachbar*innen, Kolleg*innen, Angehörige, etc.. Wir beraten auch alle, die aufgrund eines Mordes einen nahestehenden Menschen verloren haben. Im Falle einer Anzeige begleiten wir auf Wunsch durch den gesamten Gerichtsprozess, von der polizeilichen Anzeige bis zur Gerichtsverhandlung (psychosoziale Prozessbegleitung).

Das Frauenhaus, die Frauenberatungs- und Interventionsstelle, Frauennotruf:
Schutz und Zuflucht für von Gewalt betroffene Frauen und deren Kinder; kostenlose und auf Wunsch anonyme Beratung und Begleitung für von Gewalt betroffene Frauen und Angehörige; psychosoziale Prozessbegleitung; 24-stündige telefonische Erreichbarkeit für den genannten Personenkreis.

Die Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg bietet Menschen mit Gewaltbereitschaft oder Aggressivität Unterstützung in Form von Beratung und Trainingsgruppen an. Die Arbeit mit Gewaltausübenden ist ein wesentliches Instrument zum Schutz von gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern und wird im Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt in Artikel 16 der Istanbul-Konvention ausdrücklich genannt. Die Arbeit wird nach den Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft Täter*innenarbeit Häusliche Gewalt (BAGTäHG e.V.) in Zusammenarbeit mit Polizei, Justiz, Jugendämtern und Opferschutzeinrichtungen durchgeführt und wird vom Ministerium für Soziales, Integration und Verbraucherschutz (MSGIV) finanziert.

Nora Wenger, Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg
Michaela Rönnefahrt, Frauenhaus Neuruppin
Lydia Sandrock, Opferhilfe Land Brandenburg e.V.
Antje Baumgart, Der Paritätische Brandenburg

 

Beratungsmöglichkeiten
Frauenhaus/Frauenberatung Neuruppin
Tel. 03391 2303
neuruppiner-frauenverein@t-online.de
www.frauenhaus-neuruppin.de

Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg
Tel. 0331 281 281 27
brandenburg@bzfg.de
www.fachstelle-gewaltprävention-brandenburg.de

Opferberatung Neuruppin
Tel. 03391 51 23 00
neuruppin@opferhilfe-brandenburg.de
www.opferhilfe-brandenburg.de