Alarmierende Corona-Bilanz – Viele niedrigschwellige Angebote vor dem Aus

Landesverband, Pressemitteilung, LIGA/Kooperationspartner

Arbeitslosenverband Landesverband Brandenburg e.V. schließt 75 Projekte

Die Pandemie hat nicht nur den Menschen im Land privat und beruflich zugesetzt, sondern auch zahleiche soziale Träger in eine existenzbedrohende Lage gebracht. Insbesondere niedrigschwellige Angebote wie Tafeln, Kleiderkammern und Möbelbörsen aber auch Beratungsangebote für chronisch Erkrankte oder Alleinerziehende sind existentiell bedroht.

Der Arbeitslosenverband Deutschland LV Brandenburg hatte 2019 noch 34 Standorte mit Tafeln, Kleiderkammern, Möbelbörsen und niedrigschwelligen Begegnungsstätten in ganz Brandenburg. Heute sind es nur noch 29 - mit abnehmender Tendenz. 75 Einzelprojekte, darunter Begegnungsstätten für Seniorinnen und Senioren, Projekte für Kinder und Jugendliche oder auch Beratungsstellen, die in sozialen Problemlagen unkompliziert unterstützen, waren von der Schließung betroffen. Die Finanzspritze aus dem Corona-Rettungsschirm konnte nur wenige Lücken füllen. „Nicht einmal ein Drittel unserer Verluste konnten wir damit auffangen,“ stellt Inga Karina Ackermann,
Vorsitzende des Arbeitslosenverbandes fest.
Gründe dafür sieht Ackermann darin: „Unsere Projekte werden zu 80 Prozent kommunal über öffentliche Mittel finanziert, 20 Prozent müssen wir als Eigenmittel selbst aufbringen. Das ist schon immer schwer gewesen. Im Lockdown war es unmöglich. Uns sind in der Zeit wesentliche Einnahmequellen weggebrochen, die wir sonst durch den Verkauf von Lebensmitteln oder die Vermietung von Räumlichkeiten erzielt haben. Auch Spenden gab es nicht mehr so viele wie in den Vorjahren. Gleichzeitig liefen und stiegen die Kosten für Miete, Strom und auch unsere Fahrzeuge weiter, denn wir haben viele Menschen mobil mit dem Nötigsten versorgt.“

Für die Menschen, die darauf angewiesen sind, bedeutet der Verlust ihrer Tafeln einen dramatischen Einschnitt - nicht nur finanziell. „Unsere Tafeln sind ja auch Begegnungsstätten“, betont Ines Große, Vorstand der Volkssolidarität. „Vor allem für ältere Menschen sind sie oft der einzige Ort, an dem sie andere Leute treffen können. Und wir erwarten, dass demnächst auch viele ukrainische Flüchtlinge die Angebote nutzen werden. Das stellt uns vor neue Herausforderungen, etwa in der Sprachmittlung.“

Auch Andreas Kaczynski, Sprecher der Landesarmutskonferenz Brandenburg, zeigt sich alarmiert. Er warnt vor dem Wegbrechen niedrigschwelliger Hilfsangebote, auf die andererseits immer mehr Menschen angewiesen sind. „Gerade in der Pandemie ist der Bedarf an Beratung und Unterstützung gewachsen. Längst nicht alle sind persönlich und familiär mit Lockdown, Homeschooling oder Kurzarbeit klargekommen. Ältere Menschen wurden isoliert, Familien an die Grenzen der Belastbarkeit getrieben. Fast jedes zweite Kind hat psychische Probleme, die zum Teil erheblich sind und dringende Hilfe erfordern. Besonders betroffen sind Kinder aus Familien mit geringem Einkommen. Deshalb brauchen wir eher mehr denn weniger Beratungsangebote!“

Bernd Mones, Caritasdirektor aus Cottbus, macht sich besondere Sorgen um die wachsende Armut. „Die aktuelle Inflationsrate, getrieben durch enorme Kostensteigerungen bei Energie und Lebensmitteln, trifft besonders einkommensschwache Haushalte, also Rentnerinnen und Rentner, Alleinerziehende und Geringverdienende. Viele werden in existentielle Not kommen und brauchen dann kompetente Beratungsstellen, die ihnen unbürokratisch direkt helfen oder Wege etwa aus der Schuldenfalle weisen.“

Diese Hilfen sind aber wegen der Coronafolgen gerade jetzt gefährdet. Die Landesarmutskonferenz Brandenburg fordert sofortige Maßnahmen zum Erhalt der Angebotsstruktur: umgehend flankierende finanzielle Hilfen, eine längerfristig regelhafte Berücksichtigung von Preissteigerungen sowie eine Begrenzung der einzubringenden Eigenmittel auf vertretbare Höhe, die die Rücklagenbildung für Notlagen ermöglicht. Die Landesarmutskonferenz fordert außerdem eine Reduzierung des derzeit extremen Verwaltungsaufwandes zur Gewinnung öffentlicher Mittel über eine garantierte Grundförderung. Angesichts der psychosozialen und wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges vor allem für geflüchtete und einkommensarme Menschen fordert sie zusätzliche Mittel für Beratungs- und Unterstützungsdienste.

Landesarmutskonferenz
V.i.S.d.P.: Andreas Kaczynski
(Sprecher Landesarmutskonferenz Brandenburg)
c/o Der Paritätische, Landesverband
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Tel: 0331-284 97-10,
E-Mail: andreas.kaczynski@paritaet-brb.de
Tornowstraße 48,
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Die Landesarmutskonferenz Brandenburg ist ein Netzwerk, welches sich im politischen Raum gezielt gegen die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich einsetzt. Sie versteht sich als regionale Initiative zur nationalen Armutskonferenz der Bundesrepublik Deutschland (nak) und entstand 2008. Der lak gehören neben den Verbänden der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege – Spitzenverbände im Land Brandenburg weitere 25 Initiativen, Vereine und gesellschaftliche Gruppen, darunter die Kirchen und Gewerkschaften sowie zahlreiche Selbsthilfegruppen, an.