Potsdam, 14. Mai 2020 Pressemitteilungen Landesverband
Kinder sind systemrelevant!

Potsdam – Der Paritätische Brandenburg fordert, bei den Pandemie-Maßnahmen die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen.

Der aktuelle Koalitionsvertrag der Bundesregierung enthält die Forderung, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Kinderrechte in vielen Bereichen gefährdet. Kinder und Jugendliche wurden in den bisherigen Entscheidungsprozessen nicht gefragt, alle beschlossenen Regelungen für Kinder sind primär aus der Perspektive der Erwachsenen gedacht und umgesetzt worden. Im Gegenteil: Kinder wurden als gefährlich eingestuft, als ein Risiko, vor dem man den Rest der Gesellschaft schützen muss. Wir fordern, dass die Rechte und Sichtweisen von Kindern im Umgang mit der Corona Pandemie einen deutlich höheren Stellenwert bekommen! Die Rechte von Kindern auf freie Entfaltung und Förderung müssen neben epidemiologischen oder wirtschaftlichen Erwägungen ein viel größeres Gewicht erhalten.

Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung!
Seit dem 16. März 2020 bleiben die meisten jungen Menschen in Deutschland zuhause, ihre Kindergärten und Schulen waren geschlossen und werden erst jetzt langsam geöffnet. Überlastete Eltern, finanzielle Sorgen, gesperrte Spielplätze, geschlossene Freizeiteinrichtungen und mehrköpfige Familien auf engstem Raum hinterlassen ihre Spuren. Vielerorts wurde eine steigende Zahl an Fällen von Kindeswohlgefährdung registriert, wobei die Dunkelziffer etwa dreimal höher geschätzt wird.

Unsere Forderung: Präventionsangebote gegen häusliche Gewalt und Kindeswohlgefährdung müssen gerade in der Krise unterstützt werden, um ihre Angebote – möglicherweise in veränderter Form – weiter anbieten zu können. Sie werden auch nach Corona dringend gebraucht und dürfen nicht dem Rotstift zum Opfer fallen!

Kinder haben ein Recht auf Bildung und Chancengleichheit!
Bildung lastete in den letzten Wochen zu einem weit überwiegenden Teil auf den Schultern der Eltern. Die daraus resultierende Überforderung insbesondere Alleinerziehender zwischen Homeschooling, Berufs­tätigkeit und Hausarbeit ist offensichtlich. In benachteiligten Haushalten fehlte es neben Zeit nicht selten an den notwendigen Arbeitsmitteln, um etwa einer Videokonferenz der Schule zu folgen oder auch nur auf die Lernplattform der Schule zuzugreifen. Gerade sozial benachteiligte Jugendliche drohen deshalb schulisch weiter abgehängt zu werden. Damit wird das Ziel der Chancengleichheit einmal mehr verfehlt und soziale Unterschiede verfestigt.

Unsere Forderung:  Die Belange benachteiligter Schüler müssen gerade bei Homeschooling viel stärker in den Blick genommen werden. Individuelle Kontakte von Lehrkräften sind genauso wichtig wie die notwendige technische Ausstattung. Nach Teilöffnung der Schulen muss der jeweilige Bildungsstand erhoben, etwaige Lücken und Unterschiede durch individuelle Unterstützungsangebote geschlossen werden.

Auch der Übergang von Schule zu Beruf droht in Folge der Corona Pandemie schwierig zu werden, denn es steht zu befürchten, dass eine hohe Zahl von Betrieben, in denen Kurzarbeit greift, im kommenden Jahr ihre Ausbildungsplätze reduzieren werden. Auch dies wird besonders Schüler aus sozial benachteiligten Haushalten treffen.

Unsere Forderung: Wir schlagen einen flexiblen Übergang zwischen den Bildungs­bereichen und auf die derzeitige Situation zugeschnittene Ausbildungs- und Ausbildungsvorbereitungsangebote vor. So könnten beispielsweise der Ausbildungsbeginn verschoben und flexible Übergangsmaßnahmen eingerichtet werden.

Kinder haben ein Recht auf Beteiligung!
Kinder und Jugendliche müssen an den Prozessen, die sie betreffen, stärker beteiligt werden. Dies gilt auch und gerade in der aktuellen Situation. Wir müssen mehr mit Ihnen und nicht über Sie sprechen.

Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb gehören Kinderrechte ins Grundgesetz!


Foto: von Nathan Legakis auf Pixabay.
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Der Paritätische Brandenburg ist einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Brandenburg. Er setzt sich öffentlich und wirkungsvoll für die Belange benachteiligter Menschen ein. Für Politik und Verwaltung ist der Paritätische Brandenburg auf kommunaler Ebene sowie im Land ein fachkompetenter, kritischer und anerkannter Partner.

Unter dem paritätischen Dach sind in Brandenburg über 300 eigenständige, gemeinnützige Organisationen mit mehr als 900 Einrichtungen zusammengeschlossen. Dazu gehören große überregionale Institutionen, kleinere und mittlere regionale Organisationen aber auch lokale Selbsthilfegruppen.

Mirjam Deponte

Referentin Kommunikation und Information

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