Potsdam, 17. Oktober 2023 Berichte Landesverband
Fachtag "Hilfen für psychisch belastete Kinder und Jugendliche"

Die anhaltenden gesellschaftlichen Krisen, insbesondere die Herausforderungen der Corona-Zeit, haben Isolation, Ängste und Unsicherheit verstärkt. Familien und junge Menschen stehen vor immer größeren psychischen Belastungen. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, sind die beiden zentralen Unterstützungssysteme – Kinder- und Jugendpsychiatrie und Kinder- und Jugendhilfe – gefragter denn je. Doch der Fachkräftemangel und schwierige Arbeitsbedingungen führen zu einer hohen Belastung für die dort tätigen Fachkräfte. Viele von ihnen verlassen das Arbeitsfeld, was zu einer Reduzierung der Angebote und einer Erschwernis der Unterbringung hochbelasteter Kinder und Jugendlicher führt.

Am Freitag, den 13. Oktober 2023, fand an der Hochschule Clara Hoffbauer in Potsdam der Fachtag "Hilfen für psychisch belastete Kinder und Jugendliche" statt. Die Veranstaltung wurde durchgeführt von Gesundheit Berlin-Brandenburg und die LIGA der freien Wohlfahrtspflege Brandenburg und bot eine Plattform für Fach- und Führungskräfte der Hilfen zur Erziehung, des Gesundheitswesens und der Verwaltung, um die drängenden Herausforderungen im Umgang mit psychisch belasteten Kindern und Jugendlichen zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten.

Der Fachtag wurde von paritätischen Mitgliedsorganisationen initiiert, die sich angesichts des hohen Bedarfs einen solchen intensiven Fachaustausch gewünscht haben. Gemeinsam mit dem Referat Kinder- und Jugendhilfe des Paritätischen Brandenburg haben Kompass e.V. und die GFB einen Großteil der Vorbereitung und Durchführung übernommen.

Zehn Jahre nach der Schließung der Haasenburg aufgrund der Misshandlung von Betreuten und vier Jahre nach dem Film „Systemsprenger“ wurde damit die Diskussion über das Zusammenwirken von verschiedenen Institutionen, die Verantwortung für Kinder und Jugendliche, die psychisch besonders belastet sind, wieder aufgenommen.

Die Einführung in den Fachtag verdeutlichte die Bedeutung des Themas in unserer heutigen Gesellschaft. Die anhaltenden gesellschaftlichen Krisen und die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben die psychischen Belastungen von Familien und jungen Menschen verstärkt. Die Zusammenarbeit der beiden zentralen Unterstützungssysteme, nämlich der Psychiatrie und der Jugendhilfe, ist wichtiger denn je. Jedoch führen der Fachkräftemangel und schwierige Arbeitsbedingungen zu einer hohen Belastung für die dort tätigen Fachkräfte, was die Verfügbarkeit von Unterstützungsangeboten einschränkt.

Die Fachimpulse am Vormittag beleuchteten wichtige Aspekte. Stefan Willma von der Asklepios Klinik sprach über die bedarfsgerechte Versorgung aus Sicht einer stationären medizinischen Einrichtung und betonte die Notwendigkeit der Vernetzung zwischen verschiedenen Angeboten und die Bedeutung frühzeitiger Intervention. Dagmar Geske und Michael Günther von der Kompass gGmbH präsentierten Möglichkeiten und Herausforderungen in der Arbeit mit psychisch belasteten Jugendlichen aus Sicht einer stationären Einrichtung der Jugendhilfe. Dabei geht es darum, Ansätze entsprechend der Bedürfnisse der Betreuten weiterentwickeln und wortwörtlich da zu sein, wenn die jungen Menschen in der Krise am Boden sind.

Zwei Hilfeempfänger*innen haben in einem Interview von Ihren Erfahrungen mit den Systemen der Psychiatrie und Jugendhilfe berichtet. Sie teilten sehr offen mit, was sie unterstützt hat, aber auch was ihre Situation verschlimmert hat und welche dringenden Aufgaben die Institutionen noch erfüllen müssen, um gute Unterstützung zu leisten. Wertvolle Impulse waren, wie wichtig eine Hilfe auf Augenhöhe ist und dass Brüche durch Entlassung oder Abweisung auch Brüche in der Seele hinterlassen. Mit dem Hinweis, dass teilweise wirksame Hilfen scheitern, weil sich Kostenträger nicht über die Zuständigkeit einigen können, sind wir in die Podiumsdiskussion gegangen.

Das Podiumsgespräch zum Thema "Versorgungslücken und Versorgungsbrücken" brachte verschiedene Sichtweisen zusammen, darunter Vertreter des Ministeriums für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz, des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport, der Jugendhilfeplanung, der Tagesklinik, und Träger. Die Bedeutung eines interdisziplinären Netzwerks und der Kooperation auf allen Ebene wurden betont. Beispielsweise ist es notwendig, die Zuständigkeiten klar zu klären, damit die Betreuten in Nöten auch wirklich die angemessene Hilfe bekommen, die sie benötigen. In der Diskussion wurde sehr deutlich, dass in besonders zugespitzten Einzelfällen ausreichend Mittel für Hilfen da sind. Es ist notwendig, dass diese Mittel sowohl für Prävention als auch für weiterführende Hilfen zur Verfügung stehen und damit den Erfolg von Hilfen sichern.

Ein weiterer Themenkomplex war die Notwendigkeit maßgeschneiderter Fortbildungen. Fortbildungen beim Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg sind teilweise nicht die Lösung – aufgrund der langen Anfahrtswege, der Schwierigkeiten für Brandenburgische Fachkräfte dort Plätze zu bekommen und auch die teilweise zu unspezifischen Themen. Besser sind maßgeschneiderte Fortbildungen, die auf die Bedarfe der Fachkräfte vor Ort ausgerichtet sind. Eine Idee ist, solche Fortbildungen interdisziplinär in verschiedenen Einrichtungen in den Regionen durchzuführen und damit die unterschiedlichen Arbeitsansätze konkreter nachvollziehen zu können.

Die Workshopphase am Nachmittag ermöglichte den Teilnehmern, in kleineren Gruppen gezielt Themen zu vertiefen, darunter "Gute Praxis", "Fachkräfte an der Belastungsgrenze", "Prävention psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen", "Familienarbeit" und "Traumapädagogik". Diese Workshops boten praktische Einblicke und den Raum für den fachlichen Austausch und Vernetzung.

Der Fachtag endete mit einer Auswertung und einem Ausblick auf zukünftige Aktivitäten. Die Organisatoren betonten ihre Absicht, die Diskussion und den Austausch fortzusetzen und zukünftig Fortbildungen und Austauschformate zu entwickeln, die auf den Bedarfen der Fachkräfte vor Ort basieren.

Der Fachtag "Hilfen für psychisch belastete Kinder und Jugendliche" war ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Unterstützungssysteme und zur Schaffung eines besseren Verständnisses für die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in psychisch belastenden Situationen. Die Veranstaltung trug dazu bei, die Herausforderungen zu identifizieren und Wege zur Lösung zu erörtern, wodurch die Qualität der Versorgung und Unterstützung in diesem wichtigen Bereich gesteigert werden kann.

Aufgrund der Räumlichkeiten war die Teilnahme auf 100 Plätze begrenzt, die innerhalb von wenigen Tagen ausgebucht waren. Wenn Sie Interesse an weiteren Angeboten für Ihren Träger oder Ihre Einrichtung haben, können Sie sich als Paritätische Mitgliedsorganisation gerne an das Referat Kinder- und Jugendhilfe wenden.

Mirjam Deponte

Referentin Information und Kommunikation/
Projektleitung/ Bildungsmanagement


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