Frauen und Familie - Umgangsrecht bei häuslicher Gewalt

Mit der Reform des Kindschaftsrechts wurde 1998 auch das Umgangsrecht grundlegend neu gestaltet. Neben dem Recht des Kindes auf Umgang mit seinen Eltern, wurde spiegelbildlich auch die Umgangspflicht der Eltern begründet. Hintergrund dafür war die Einschätzung, dass sich ein Umgang mit beiden Elternteilen - auch nach Trennung und Scheidung - positiv auf die Entwicklung des Kindes und das Kindeswohl auswirkt. Die Trennung aber von einem gewalttätigen Elternteil stellt gewaltbetroffene Frauen mit Kindern vor eine schwierige Aufgabe: Sie müssen sich und ihre Kinder schützen und gleichzeitig ihre eigenen Interessen mit denen ihrer Kinder abwägen. Hinzu kommt: Eine Trennung beendet die häusliche Gewalt nicht automatisch. Gerade die Trennungsphase kann für die Frauen sehr gefährlich sein. Konflikte können eskalieren, Übergriffe an Gewalttätigkeit zunehmen und sogar damit enden, dass die Frauen getötet werden. Dazu kommt: Die Kinder sind von häuslicher Gewalt immer mittelbar, oft genug auch unmittelbar betroffen. Viele entwickeln in der Folge langfristige emotionale und kognitive Auffälligkeiten.
Diese Risiken wurden auf dem landesweiten Fachtag „Sicherheit geht vor - Umgangsrecht im Kontext von häuslicher Gewalt“ interdisziplinär und unter lebendiger Beteiligung der 120 Teilnehmenden engagiert diskutiert. Die daraus abgeleitete Forderung: Das Umgangsrecht muss im Kontext von häuslicher Gewalt anders gestaltet werden als bei normaler oder hoher Strittigkeit der Eltern.

Mit der 2018 in Deutschland in Kraft getretenen „Istanbul-Konvention“ des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt eröffnen sich dafür neue Chancen. Die Konvention soll garantieren, dass die Ausübung des Besuchs- oder Sorgerechts nicht die Rechte und die Sicherheit des Opfers oder der Kinder gefährdet. Ein im Ergebnis des Fachtages im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gegründeter Arbeitskreis ist derzeit damit beschäftigt, in diesem Spannungsfeld von Gewaltschutz und Umgangsrecht Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Die dort gesammelten Erfahrungen sollen zu einem späteren Zeitpunkt den anderen Landkreisen, kreisfreien Städten und dem Land Brandenburg zur Verfügung gestellt werden.

Hier finden Sie eine Auflistung der Beratungs- und Anlaufstellen für Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt geworden sind »
 

Strategien gegen Rechtspopulismus und intersektionale Öffnung

Themen, die sich mit Selbstwahrnehmung und Selbstwertgefühl - vor allem in Zusammenhängen der nationalen Zugehörigkeit, der Geschlechtsidentität und der Geschlechterrolle beschäftigten - werden derzeit breit diskutiert, oft auch in übergriffiger und rückwärtsgerichteter Form. Beispiele dafür sind die aktuellen Debatten um das Recht auf weibliche Selbstbestimmung - Stichworte Schwangerschaftsabbruch und Kopftuch - die Sexualmoral oder den Sexualkundeunterricht in der Schule, den aktuellen Familienbegriff, die Ehe für alle, das Verhältnis des Islam zu den Frauen oder die kulturelle „Herkunft“. Ein Grund: Rechtspopulistische Gruppierungen und extreme Rechte stellen mit ihrer Kritik an pluralen Rollenmodellen und Lebensentwürfen, körperlicher Selbstbestimmung und diverser sexueller Orientierung alle Errungenschaften der Frauengleichberechtigung in Frage.
Sie diffamieren Genderpolitik und -pädagogik als pseudowissenschaftlich begründetes, ideologisches Umerziehungsprojekt, das auf die Zerstörung traditioneller Geschlechterrollen und Familienformen zielt. Die Folgen sind zunehmend auch in sozialen Einrichtungen zu beobachten. Besonders Frauen- und Familienberatungsstellen, mit steigender Tendenz auch andere Bereiche des sozialen Leistungsspektrums sehen sich immer öfter mit antifeministischen und rechtspopulistischen Dynamiken konfrontiert. Es ist zwingend erforderlich, dagegen und gemeinsam mit den Einrichtungen der Frauen-, Mädchen- und Familienarbeit effiziente Strategien zu entwickeln. Gleichzeitig wird die Frauenrechtsbewegung durch interne Konflikte - Kontroversen mit women of colour und muslimischen Frauen herausgefordert. In dieser Diskussion gilt es, den Blick für das Zusammentreffen gleich mehrerer Diskriminierungsformen zu öffnen und für die Arbeit vor Ort entsprechend intersektionale Perspektiven zu entwickeln.
Dabei geht es vor allem um Frauen und Mädchen, die nicht nur wegen ihres Geschlechtes, sondern zusätzlich wegen Hautfarbe und zumeist auch Religion benachteiligt werden. Wie sich im vergangenen Jahr gezeigt hat, braucht es dafür nicht nur Solidarität, sondern auch Vernetzung und lokale Bündnisse mit demokratischen Organisationen.

Aktuelles

18.04.2018
  • Landesverband
  • Pressemitteilungen Gesamtverband

Die Sprechcafés des Projekts „Begegnungen im Stadtteil“ bedanken sich beim Verein „Neue Heimat Brandenburg“ für die großzügige Spende von 1979,48...

Weiterlesen
08.02.2018
  • Landesverband
  • Berichte Gesamtverband

Der Paritätische Brandenburg e.V. setzt sich mit einer Vielzahl an Projekten für ein friedliches, tolerantes und vielfältiges Miteinander ein, so auch...

Weiterlesen
28.11.2017
  • Landesverband
  • Berichte Gesamtverband

Die Freiwilligenagentur Cottbus wurde am Abend des 28. November mit dem ersten Preis des Fördervereins Cottbuser Aufbruch e.V. ausgezeichnet.

Weiterlesen
18.10.2017
  • Landesverband
  • Berichte Gesamtverband

Am 18. Oktober fand im Familienhaus Cottbus ein Danke-Abend für Ehrenamtliche statt. Der geflüchtete Mohammad Asif Ahmadi wollte Ehrenamtliche und...

Weiterlesen
28.09.2017
  • Mitgliedsorganisationen
  • Landesverband
  • Berichte Gesamtverband

Seit dem 28.07. waren die M/S Anton und das ehemalige Flüchtlingsschiff Al-hadj Djumaa nun schon über Flüsse und Kanäle quer durch die Republik...

Weiterlesen
05.05.2017
  • Gesamtverband
  • Pressemitteilungen Gesamtverband
  • Stellungnahmen Gesamtverband

In einem offenen Brief kritisieren mehr als 200 Migrantenorganisationen Thomas de Maizières Thesen zu einer deutschen Leitkultur. Der...

Weiterlesen
12.05.2016
  • Landesverband
  • Pressemitteilungen Gesamtverband
  • Berichte Gesamtverband

Schon seit Jahren pflegt der Paritätische Brandenburg gute Kontakte zu seinem polnischen Partnerverband ZLOP in der Wojewodschaft Lubuskie. Im Rahmen...

Weiterlesen
  • Pressemitteilungen Gesamtverband

Berlin, 29.08.2013 Bereits im Sommer 1979 begannen engagierter Fachkräfte in Berlin-Lichtenrade die Arbeit mit drogenabhängigen Menschen und dem...

Weiterlesen
Antje Baumgart

Referentin Frauen und Familie
Regionalbüroleiterin Prignitz/Ruppin

Regionalbüro Prignitz/Ruppin

Fehrbelliner Straße 139
16816 Neuruppin

Tel. 03391 | 5012 - 04
Fax 03391 | 5099 - 46

E-Mail: antje.baumgart(at)paritaet-brb.de

 

Andrea Rauhut

Sachbearbeiterin Referat Frauen und Familie
Sachbearbeiterin Regionalbüro Prignitz / Ruppin


Regionalbüro Prignitz/Ruppin

Fehrbelliner Straße 139
16816 Neuruppin

Tel. 03391 | 5012 - 04
Fax 03391 | 5099 - 46

E-Mail: andrea.rauhut(at)paritaet-brb.de

Publikationen

12.02.2018
Diskriminierung in sozialen Einrichtungen paritätisch entgegentreten!

Die Broschüre beleuchtet Misstände in sozialen Einrichtungen und führt Maßnahmen gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz auf.

Weiterlesen
15. August 2018
Herzlich Willkommen in unserer Kita

In dieser Broschüre finden Sie Informationen zum Start in die Kita in den sechs Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Tigrinya, Arabisch und Farsi....

Weiterlesen