Potsdam, 28. September 2018 Landesverband / Berichte / Teilhabe
Der erste Weltkongress für Menschen mit Behinderung – Ein Rückblick

2017 fand im russischen Jekaterinburg der Erste Weltkongress für Menschen mit Behinderung statt. Insgesamt 700 Menschen aus 29 Nationen fanden sich in der russischen Metropole zusammen.

2017 fand im russischen Jekaterinburg der Erste Weltkongress für Menschen mit Behinderung statt. 700 Menschen aus 29 Nationen fanden sich in der russischen Metropole zusammen, um an Gesprächen, Workshops, kulturellen Programmen und Begegnungen teilzunehmen. Der Kongress stand unter dem Thema „Werte sichtbar machen“ und ist das Resultat harter Arbeit von Menschen auf der ganzen Welt.

Ziemlich genau ein Jahr später, am 11.09.2018 lud die Interessengemeinschaft zur Förderung von Menschen mit Behinderung zu einer Kinovorstellung des parallel zum Kongress entstehenden Dokumentarfilmes ein, der von den deutschen Teilnehmern selbst gedreht wurde. Besonders schön war, dass mehrere Teilnehmer des Kongresses im Publikum saßen und sich selbst im Film erkannten und sich an ihre Erfahrungen in Russland erinnerten.

Der Dokumentarfilm zeigte eindrucksvoll die Bandbreite des Programmes: Tanz, Schauspiel, Interaktion aber auch Einkaufsmöglichkeiten zur Mobilität, zum Haushalt und zum Alltag.  Der besondere Fokus lag darauf, dass die Behinderung eben nicht als Beeinträchtigung zu sehen ist, sondern als Andersartigkeit. Diese Leitidee hebt die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen hervor; in einem solchen Rahmen können Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt stehen und ähnliche Erfahrungen austauschen. Insbesondere für Menschen aus dem nicht-europäischen Raum und dort spezifisch den ländlichen Regionen, bietet ein solcher Kongress eine gewichtige Plattform. Noch immer leben Menschen mit Behinderung in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas unter extrem schwierigen Bedingungen.

Ebenfalls gezeigt wurde das Resultat eines russischen Projektes mit Menschen mit Behinderung. Ein russisches Märchen wurde von einer Gruppe von Menschen mit Behinderung inszeniert und auf die Leinwand gebracht.

Zu Wort kam auch der Initiator der Kongresse, Thomas Kraus, der Ende der Neunziger Jahre in Berlin den ersten europäischen Kongress dieser Art ins Leben rief. Ins Auge stach der starke Kontrast zwischen dem ersten Kongress, der als klein und vertraut beschrieben wurde und dem großen, internationalen Ereignis schließlich in Jekaterinburg, bei dem 700 Menschen teilnahmen. Großes Lob fand die Unterstützung von russischer Seite, die sich mit besonderer Fürsorge und Gastfreundlichkeit um die ausländischen Teilnehmer kümmerte. Die Bestrebungen der Regierung, die Stadt behindertengerecht zu machen, habe Jekaterinburg in ein „Mekka für Menschen mit Behinderung verwandelt“. Kraus drückte den Wunsch aus, eventuell auch von deutscher Seite einmal solches Entgegenkommen zu erleben. Denn eines überrascht besonders. Trotz der langen Geschichte dieser Kongresse gibt es keine Planungsfirma und keine Verwaltung, die sich um die Organisation und Durchführung der Kongresse kümmert. Aus diesem Grund ist auch die Finanzierung sehr schwierig, vor jedem Kongress ist die Ungewissheit groß, ob er überhaupt stattfinden kann. Auch von staatlicher Seite gibt es keine Unterstützung. Vielmehr handelt es sich um kleine Gruppen engagierter Freiwilliger, die in verschiedenen Ländern Menschen zusammenbringen; denn darum geht es bei den Kongressen immer, um Menschen ins Gespräch zu bringen, den Austausch zu fördern und zusammen kreativ und schaffend zu arbeiten. Die Kongresse zeigen wie Beteiligung auf großer Ebene stattfinden kann; sie sind auch bedeutendes Symbol an die Öffentlichkeit und gibt insbesondere den Menschen, die keine Stimme haben, eine Möglichkeit sich auszudrücken. Es bleibt zu hoffen, dass diese Kongresse weiterhin stattfinden können und auch die Unterstützung erhalten, die sie verdienen.

Mirjam Deponte

Referentin Kommunikation und Information

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