Potsdam, 27. September 2019 Landesverband / Pressemitteilungen Landesverband / KITA
„Systemsprenger“: Warum wir das System der Kinder- und Jugendhilfe manchmal sprengen müssen

Potsdam – Der Paritätische Brandenburg und der Kinder- und Jugendhilfe-Verbund Berlin-Brandenburg präsentierten den Film „Systemsprenger“ und luden zu einem anschließenden Fachgespräch.

Im ausgebuchten Thalia-Kino in Potsdam nahmen Der Paritätische Landesverband Brandenburg e.V. und der Kinder- und Jugendhilfe-Verbund Berlin-Brandenburg den beeindruckenden Film „Systemsprenger“ der Regisseurin Nora Fingscheidt zum Anlass, um zusammen mit 350 Gästen die Frage zu diskutieren, ob und wie es gelingen kann, Hilfekonzepte für Kinder und Jugendliche umzusetzen, die die gesellschaftlichen Systeme durch ihre extremen und aggressiven Verhaltensweisen „sprengen“.

Der Film zeigt die unermüdlichen Versuche von Jugendamt, Schule, Kinder- und Jugendhilfe und der Kinder- und Jugendpsychiatrie, eine Perspektive für die Hauptfigur der 9-jährigen Benni zu schaffen, die durch ihre Ausbrüche andere und sich selbst zu zerstören droht. Im Film versagt das System.

Im anschließenden Fachgespräch waren sich die Podiumsgäste darin einig, dass der Film ein wertschätzend realistisches Abbild der Praxis darstellt. Auch in Brandenburg gibt es von Gewalt-, Verlust- und Vernachlässigungserfahrungen geprägte „Systemsprenger“, die hohe Anforderungen an Eltern und professionellen Akteur*innen stellen. In der Diskussion wurde deutlich, dass nur tragfähige Lösungen gefunden werden können, wenn gesellschaftliche Perspektivwechsel greifen. Zuerst braucht es die Erkenntnis, dass es um Kinder und Jugendliche in Schwierigkeiten geht, die aus dem gesellschaftlichen System resultieren. Das zuschreibende Etikett „Systemsprenger“ sagt weniger über die jungen Menschen aus als über die Ohnmacht und Hilflosigkeit des Helfersystems, das mitunter zu Recht die Grenzen seiner Handlungsfähigkeit erfährt.

Diese Grenzen müssen ehrlich analysiert werden, um dann in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung individuelle tragfähige Lösungen miteinander zu entwickeln, deren Finanzierung nicht an Haushaltsdiskussionen scheitern darf. Dem afrikanischen Sprichwort folgend, braucht es ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Passende Hilfen können nur im Verbund von Menschen gefunden werden, die den Mut haben, gemeinsam innovative Lösungswege im Scheitern zu finden und Systeme neu zu denken. Dabei müssen Kinder und Jugendliche unbedingt aktiv beteiligt werden.

In diesem Sinne verstand sich die Veranstaltung als Impuls für eine Kulturveränderung und endete mit dem Appell gemeinsam Weiterzudenken.

An dem Fachgespräch nahmen teil:

  1. Elke Wagner, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Sachgebietsleitung Einrichtungsaufsicht
  2. Stefan Willma, Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie Asklepios Fachklinikum Brandenburg
  3. Ina Lübke, Jugendhilfeplanerin, Fachbereich IV – Jugend, Soziales und Gesundheit Brandenburg / Havel
  4. Marie Dulle, IGFH e.V. - Regionalgruppe Brandenburg, Einrichtungsleitung Evang. Jugendhilfe Geltow
  5. Ramdas Weichert, Projektentwicklung „Kind in Diagnostik“, KJHV
  6. Mitglieder des Kinder- und Jugendhilfe Landesrat (KJLR)

Der Film „Systemsprenger“ wurde präsentiert von Der Paritätische, Landesverband Brandenburg e.V. und dem Kinder- und Jugendhilfe-Verbund Berlin-Brandenburg in Kooperation mit der Internationalen Gesellschaft für Erzieherische Hilfen, dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege und dem Kinder- und Jugendhilfe Landesrat Brandenburg.

Im Paritätischen Brandenburg steht Ihnen Annett Bauer, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe / Kindertagesbetreuung für fachliche Fragen gerne zur Verfügung.

Mail: annett.bauer(at)paritaet-brb.de
Funk: 0152.331.484.37


Weitere Informationen zum Film erhalten Sie über die nachstehenden Links:

Trailer: www.youtube.com/watch

Filmwebsite: www.systemsprenger-film.de und fachliches Statement Prof. Dr. Menno Baumann https://www.youtube.com/watch?v=ySpNDZSbOsw&feature=youtu.be

Foto: v.l.n.r. Ramdas Weichert, Projektentwicklung „Kind in Diagnostik“, Kinder- und Jugendhilfe-Verbund Berlin-Brandenburg (KJHV)
Annett Bauer, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe / Kindertagesbetreuung, Der Paritätische Brandenburg

Mirjam Deponte

Referentin Kommunikation und Information

Landesgeschäftsstelle

Tornowstraße 48
14473 Potsdam

Tel. 0331 | 28497 - 64
Fax 0331 | 28497 - 30

E-Mail: mirjam.deponte(at)paritaet-brb.de

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